Fotografie unterscheidet sich nicht mehr von Malerei. Also ist die Fotografie tot, denn die Malerei ist tot?
Jürgen Raap bespricht die Ausstellung Gurskys im Museum Kunstpalast im Kunstforum dieser Tage im Kunstforum Band 219. Er hat Recht, wenn er sagt
“… Gursky (hat) sich in diesem Prozess der Bildfindung intensiv mit Bildkonzepten der Malerei auseinandergesetzt …”
Darüber hinaus: wer sich monatelang mit blauer Farbe beschäftigt, wie Gursky dies bei der Ocean Serie von 2010 getan haben soll, der malt. Fotografen malen also am Computer. Unterscheidet sich dies von einem Maler, der am Computer malt? Nein – also ist die Fotografie tot, denn die Malerei ist tot – oder doch nicht? Wieder Jürgen Raap:
“Hatte vor rund 100 Jahren die Fotografie der Malerei eine Emanzipation von Ihrer tradierten Abbildfunktion ermöglicht, so scheint nun wiederum die Fotografie im Zeitalter der digitalen Medien sich Ihrerseits davon emanzipieren zu können, das Geschehene lediglich in reportierter Weise wiederzugeben.”
Die Maler benötigten keine Hilfe der Fotografie, um sich von Ihrer Abbildfunktion zu lösen, sondern dies erledigten Kandinsky vor 100 Jahren mit seiner Schrift “Über das Geistige in der Kunst“, die Expressionisten und die Kubisten selbst. Auch Fotographen haben schon immer versucht die Grenzen des Mediums zu überschreiten. Man Ray’s Photogramme sind nur ein Beispiel.
Ich habe keine Sorge, dass die Malerei sterben könnte. Sie hat noch allen Krisen getrotzt. Nun erst Recht nicht mehr, da Argumente gleichermaßen für Malerei, Fotografie und Videokunst gelten können.
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